Was wir machen

Der Heimatverein Weissacher Tal lebt von ehrenamtlicher Arbeit. Wir erhalten das ehrwürdige, über 230 Jahre alte Bauernhaus. Und organisieren regelmäßige Führungen. Wir pflegen und bearbeiten den Bauerngarten und den Traditionsweinberg. Wir organisieren Exkursionen in die Heimat. Hauchen zu gegebenen Anlässen dem Bauernhausmuseum (Alltags)Leben ein. Machen Zeitzeugeninterviews ("Heierles halta"). Spüren Kleindenkmale auf.

Organisieren Erlebnistage rund ums Bauernhausmuseum. Lassen mit Erzählstuben im Oberling des Bauernhauses Geschichte erlebbar werden. Versuchen mit speziellen Angeboten, auch Kinder und Jugendliche anzulocken und sie für Technik und traditionelle Werte zu begeistern. Und wir beteiligen uns an Aktivitäten in den drei Gemeinden, die das Heimatgefühl und das Zusammenwachsen der Menschen im Täle fördern.

Im Bauernhaus bei Grübeles

Unterweissacher Heimatmuseum startet Pilotprojekt mit Schülern – Kooperation mit der PH Ludwigsburg geplant

aus  BKZ v. 16.5. 2017

Von Annette Hohnerlein

WEISSACH IM TAL. „Das ist der Tatzenstock. Wer will mal probieren?“ Wie erwartet meldet sich keines der Kinder, die an den schrägen hölzernen Schultischen sitzen. So sah es also früher in der Schule aus. Geschrieben wurde mit Griffeln auf Schiefertafeln, gerechnet wurde mit dem Abakus. Das historische Klassenzimmer befindet sich in der ehemaligen Gesindekammer des fast 250 Jahre alten Bauernhauses, in dem das Heimatmuseum Unterweissach untergebracht ist.

 

In den Wohnräumen der Familie Grübele, die das Haus bis 1983 bewohnte, ist vieles noch wie früher. So auch die Wohnstube. „Wo ist denn da der Fernseher?“ will ein Schüler wissen. Monika Erb vom Heimatverein erklärt: „Das gab es damals noch nicht. Da musste man die Unterhaltung selber machen“ und zeigt auf ein Akkordeon und ein Harmonium. Auch beim großen gusseisernen Ofen ist Handarbeit angesagt. Erbs Vereinskollegin Irmgard Hestler beschreibt das mühevolle Ritual des Heizens mit Holz oder Kohle und den Erfindungsreichtum unserer Vorfahren: „Denen sind früher viele Tricks eingefallen, wie man sich helfen konnte“. Rätselhaftes entdecken die Kinder auch im Schlafzimmer. Dienen die ovalen Metallbehälter auf den Betten vielleicht dazu, um Getränke für die Nacht bereit zu stellen? „Nein, das sind Wärmflaschen“, erläutert Erb, „Im Schlafzimmer wurde früher nicht geheizt, deshalb hat man die Flaschen mit heißem Wasser gefüllt und ins Bett gelegt, damit man es kuschelig hatte.“

Spannend ist auch der Blick in den Mostkeller der Familie Grübele. Holzfässer stehen auf dem Boden, Würste sind an Stangen aufgehängt, Brot liegt auf Holzgestellen, und im Regal lagern Vorräte von Obst, Gemüse und Leberwurst in Weckgläsern. Sie stammen von der letzten Bewohnerin des Hauses, Frieda Grübele, die 1983 starb.

Foto Michael Kurz

Foto: Michael Kurz

 

Barbara Hirzel, die Rektorin der Grundschule Lippoldsweiler, war gestern im Rahmen der Projekttage, die in diesem Jahr unter dem Motto „Das Leben in früheren Zeiten“ stehen, mit den Schülern der Klassen 1 und 4 im Museum. Heute sind die Zweit- und Drittklässler an der Reihe. Die Pädagogin freut sich, dass ihre Schüler Interesse zeigen und viele Fragen stellen. Der direkte Bezug zum Heimatort ist ihr wichtig: „Es ist schön, dass die Exponate aus der Umgebung kommen.“

Auch Jürgen Hestler, der Vorsitzende des Heimatvereins Weissacher Tal, legt Wert auf Authentizität: „Das Haus soll so aussehen, als seien die Grübeles gerade ausgezogen.“ Er hat das Pilotprojekt mit der Grundschule Lippoldsweiler organisiert. „Wir wollen, dass die Kinder den Wert der alten Handwerkstechniken erkennen und ein Heimatgefühl entwickeln“, sagt er. Und das Projekt unter dem Motto „Bei Grübeles daheim“ soll weitergehen. Geplant ist eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, bei der Studenten im kommenden Wintersemester ein pädagogisches Konzept für das Museum entwickeln. Zum Beispiel ist vorgesehen, dass die Schüler mit Hilfe von QR-Codes Informationen zu den Exponaten abrufen können. Nach einer Vesperpause im Heuboden, dem sogenannten Oberling, dürfen die rund 40 Jungen und Mädchen selbst aktiv werden. Kühe füttern ist angesagt, eine Arbeit, die früher oft Aufgabe der Kinder war.

Mit Hans Holzwarth geht es auf eine Wiese hinter dem Haus. Dort demonstriert der ehemalige Landwirt das Mähen mit einer Sense. Anschließend rechen die Schüler das Gras zu sogenannten Mahden zusammen und laden es auf einen hölzernen Schubkarren. Zurück im Stall wird das Grünfutter mit Heugabeln durch Futterladen den Kühen direkt in den Trog geworfen. Dies sind allerdings keinen lebendigen Tiere, sondern Gestelle aus Holz. Nebenan im Schweinekoben erzählt Vereinsmitglied Gotthold Erlenbusch von den Strafen in früheren Zeiten: „Wenn die Kinder nicht anständig waren, hieß es ‚Du kommsch zur Sau na‘.“

Im ehemaligen Vorratsraum des Bauernhauses können die Schüler verschiedene handwerkliche Tätigkeiten erkunden: In der Schreinerwerkstatt wird am Schleifstein ein Bohrer geschliffen, es werden Äste entrindet und an der Drechselmaschine Holzstiele verziert, in der Schmiede werden Hufeisen am Amboss bearbeitet. Acht Kinder bekommen eine Kaffeemühle in die Hand gedrückt und drehen mit Begeisterung an den Kurbeln. In der Leinenweberstube versuchen sich die Schüler an Spinnrad und Webstuhl, an einer Balkenwaage werden Kartoffeln und an einer Dezimalwaage Mitschüler gewogen. Am Ende des ereignisreichen Vormittags können die Schüler testen, was sie gelernt haben: Bei einem Bilderquiz gilt es, die verschiedenen Exponate wiederzuerkennen.

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