Was wir machen

Der Heimatverein Weissacher Tal lebt von ehrenamtlicher Arbeit. Wir erhalten das ehrwürdige, über 230 Jahre alte Bauernhaus. Und organisieren regelmäßige Führungen. Wir pflegen und bearbeiten den Bauerngarten und den Traditionsweinberg. Wir organisieren Exkursionen in die Heimat. Hauchen zu gegebenen Anlässen dem Bauernhausmuseum (Alltags)Leben ein. Machen Zeitzeugeninterviews ("Heierles halta"). Spüren Kleindenkmale auf.

Organisieren Erlebnistage rund ums Bauernhausmuseum. Lassen mit Erzählstuben im Oberling des Bauernhauses Geschichte erlebbar werden. Versuchen mit speziellen Angeboten, auch Kinder und Jugendliche anzulocken und sie für Technik und traditionelle Werte zu begeistern. Und wir beteiligen uns an Aktivitäten in den drei Gemeinden, die das Heimatgefühl und das Zusammenwachsen der Menschen im Täle fördern.

Kindermund erklärt Museumssachen

Hörrundgang für das historische Bauernhaus in Unterweissach kann am Sonntag erstmals ausprobiert werden

WEISSACH IM TAL. Das Bauernhausmuseum in der Brüdener Straße soll das Gefühl vermitteln, dass Tante Frieda, die einstige Bewohnerin, gerade eben erst raus in den Garten gegangen ist. Das ist die Idee, für die Jürgen Hestler steht. Tafeln, Schilder und erklärende Beschriftungen lehnt der Vorsitzende des Heimatvereins Weissacher Tal ab – sie würden den Charakter des Museums respektive des Hauses mit seinen Gegenständen aus dem Alltagsleben kaputtmachen.

Gleichwohl soll der Besucher nicht alleingelassen werden. Informationen sollen sehr wohl rüberkommen, daher bietet der Verein auch Führungen an – ein Service allerdings, der sich nicht immer ermöglichen lässt. Wie also soll der Wissenstransfer dann erfolgen? Für den früheren Lehrer schließt sich daran auch sogleich die Frage an: Wie kann man Kindern die Vergangenheit vermitteln?

Hier kam dann Hestlers Schwiegertochter Carolin ins Spiel, die selbst in Weissach in die Schule gegangen und später Lehrerin geworden ist, eine Doktorarbeit über Karten im Geschichtsunterricht geschrieben und dann eine Stelle als Dozentin angetreten hat. Mit ihren Studenten überlegte sie, wie sich die Exponate zum Wirken bringen lassen, ohne das Arrangement zu stören. Die Idee, mit QR-Codes zu arbeiten, die mit dem Smartphone gescannt werden, wurde nach einem ersten Versuch rasch wieder verworfen. Zwar hätten damit sogar kleine Filme überspielt werden können. Aber dann hingen überall in den Museumsräumen die Code-Quadrate an den Sachen dran, auch WLAN und Lesegeräte wären nötig, und am Ende schauten die Leute nur noch auf ihr Display statt auf die Originale im Bauernhaus.

Die kleinen Experten erklären, was sie interessiert

Zum Zug kam deshalb die andere Idee, ein Hörrundgang. Aber wie kriegt man das so hin, dass es für die junge Generation attraktiv ist? Die Lösung: Kinder machen es – Kinder für Kinder. Eine Klasse der Schule in Oberweissach wurde dafür gewonnen. Die Schüler überlegten gemeinsam mit den Studenten, was für Gleichaltrige interessant sein könnte. Voraus ging ein erster Museumsbesuch, von dem die Knirpse, wie ihre Lehrerin Tanja Eisenmann berichtet, total begeistert waren. Beim Treffen mit den angehenden Pädagogen konnten dann die Kinder schon als Experten auftreten und zeigen, was sie interessiert – nämlich oftmals ganz andere Dinge als die, auf die die Erwachsenen eingestellt waren. „Das war für die Studenten eine spannende Sache“, blickt Carolin Hestler zurück: Ihre Schützlinge hätten eine Art Praxisschock erlebt, zumal das Lehramtsstudium in den ersten Jahren wenig Gelegenheit für praktische Erfahrungen biete.

Am letzten der drei Projekttage ging es dann an die Aufnahmen. Anstrengend für die Kinder, wie Tanja Eisenmann betont, aber auch anstrengend für die Studenten, die mit aufwendigem technischem Equipment aus der Hochschule angerückt waren. Doch auch der Umgang mit den Geräten für Aufnahme und Schnitt gehörte letztlich zu dem, was die Studenten aus dem Projekt mitnahmen, wie Carolin Hestler anmerkt. Die Schüler wiederum waren ungeheuer stolz auf ihr Werk: Sie hatten selber Spätzla geschabt, Getreide gedroschen und Inflationsgeld sortiert, hatten Hintergrundgeräusche erzeugt und miteinander gesungen: „Im Märzen der Bauer“, so schmetterten ein paar Jungs zum Thema bäuerlicher Alltag, ein Beitrag, der nicht geplant war, seinen Platz aber gefunden hat. Wichtig war der Dozentin dabei auch, dass die Kinder mitdenken und hinterfragen. Das ist auch im Hörrundgang zu erleben, der nicht nur erzählt und schildert, sondern auch lebhafte Dialoge wiedergibt. Beispiel Wohnzimmer: „Was ist das für ein Riesending?“, fragt plötzlich eine Kinderstimme. Ein Mitschüler erklärt den gusseisernen Kamin aus dem Jahr 1900. „Moment mal“, kommt prompt die Nachfrage: In Bauernhäusern stehe sonst doch immer ein Kachelofen, da sei der Kamin doch wohl falsch. In der Tat, so erklärt der Erzähler: Es handelt sich nicht um den Originalkamin, sondern um ein Exemplar, das aus einer Schule stammt.

„Es ist kein perfekter Rundgang, aber er ist authentisch“, fasst Jürgen Hestler zusammen – Konzeptionen, die aus Erwachsenensicht entstanden waren, wurden von den Kindern umgepolt. Bei dem etwa 45-minütigen Rundgang handelt es sich aber keineswegs um eine lockere Sammlung von Einzelstücken. Vielmehr gibt es sehr wohl einen roten Faden: Da kommt dann das Gebäude, das schon an sich als Museumsgegenstand gelten kann, selbst zu Wort – mit der Stimme des Vereinsvorsitzenden.

Der Hörrundgang führt über fünf Stationen: Wohn- und Schlafzimmer, Küche, Stall und Werkstatt. Mit diesen Räumen ist allerdings noch nicht das ganze Haus erfasst. Das Projekt soll im nächsten Jahr mit den neuen Viertklässlern als Dreierpartnerschaft zwischen Hochschule, Heimatverein und Grundschule fortgesetzt werden, weil alle Seiten auch gesehen haben, wie sie davon profitieren. „Was die Kinder mitgenommen haben, hätte ich im Unterricht nicht vermitteln können“, bilanziert Tanja Eisenmann. Carolin Hestler ergänzt: Das Museum sei als faszinierender Ort erlebt worden, Ängste konnten abgebaut werden, und die Kinder erfuhren, dass Geschichte etwas zum Anfassen ist. Sie konnten sich auch selbst etwas zutrauen und ausprobieren, ihr Entdeckertum wurde geweckt.

An diesem Punkt will Jürgen Hestler aber nicht stehen bleiben. Ihm schwebt ein weiteres Projekt gemeinsam mit Schülern einer weiterführenden Schule vor: Dann soll es um die Zeit des Nationalsozialismus im Täle gehen. Auch in dieser Richtung hat seine Schwiegertochter bereits Recherchen angestellt.

Der Hörrundgang wird am Sonntag, 15. Sep- tember, erstmals der Öffentlichkeit vor- gestellt. Das Bauernhausmuseum in der Brüdener Straße in Unterweissach ist dann von 14 bis 17 Uhr geöffnet. In einem wei- teren Schritt soll der Hörrundgang bald auch auf der Vereinshomepage abrufbar sein: www.heimatverein-weissacher-tal.de

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