Was wir machen

Der Heimatverein Weissacher Tal lebt von ehrenamtlicher Arbeit. Wir erhalten das ehrwürdige, über 230 Jahre alte Bauernhaus. Und organisieren regelmäßige Führungen. Wir pflegen und bearbeiten den Bauerngarten und den Traditionsweinberg. Wir organisieren Exkursionen in die Heimat. Hauchen zu gegebenen Anlässen dem Bauernhausmuseum (Alltags)Leben ein. Machen Zeitzeugeninterviews ("Heierles halta"). Spüren Kleindenkmale auf.

Organisieren Erlebnistage rund ums Bauernhausmuseum. Lassen mit Erzählstuben im Oberling des Bauernhauses Geschichte erlebbar werden. Versuchen mit speziellen Angeboten, auch Kinder und Jugendliche anzulocken und sie für Technik und traditionelle Werte zu begeistern. Und wir beteiligen uns an Aktivitäten in den drei Gemeinden, die das Heimatgefühl und das Zusammenwachsen der Menschen im Täle fördern.

Spaziergang durch die Ortshistorie

ALLMERSBACH IM TAL. Bei strahlendem Sonnenschein haben sich rund 40 Teilnehmer am Brunnen hinter dem Rathaus eingefunden. Es sind Allmersbacher, die mit auf die Erinnerungsreise in frühere Zeiten gehen wollen, aber auch viele Zugezogene, die sich für die Geschichte ihrer Wahlheimat interessieren. Jürgen Hestler, erster Vorsitzender des Heimatvereins, stellt das „Allmersbacher Urgestein“ Walter Winkler vor, der schon sein ganzes Leben lang im Ort wohnt und in den 1950er-Jahren seine Kindheit hier verbrachte.

Nicht nur er sei ein Allmersbacher Urgestein, schmunzelt der Gässlesführer, sondern auch seine Vorfahren. Bis 1709 väterlicherseits und 1712 in der Linie der Mutter könne man seine Familie über sieben Generationen in Allmersbach ansässig zurückverfolgen. Es sei eben „ein schönes Dörfchen, sonst wären wir nicht so lange geblieben“.

Am Kirchbrunnen löschten Mensch und Tier ihren Durst.

Um historische Fakten gehe es ihm bei der Tour nicht in erster Linie. Sondern um persönliche Erinnerungen. Diese beginnen gleich am neben stehenden Gebäude, das 1780 als Schul- und Rathaus gebaut wurde. Er selbst hat hier noch die Schulbank gedrückt. Zwei Klassenzimmer gab es im unteren Stockwerk. Im Obergeschoss befanden sich Lehrerwohnungen und der Sitz des Bürgermeisters. Toiletten gab es in einem Extrahäuschen im Hof. 1964 wurde dann die neue Schule im Wacholder gebaut. Bei einem grundlegenden Umbau des Rathauses 1988/89 war übrigens Walter Winkler, der inzwischen Bauingenieur war, als Statiker beteiligt.

Im Ortskern von Allmersbach gab es früher offene Bachläufe, die heute teilweise verdolt sind. Ein altes, verrostetes Wehr zeugt heute noch vom früher freigelegten Erlenbach, an dem Wasser für die Feuerwehr angestaut wurde. Die Tour geht entlang des früheren Tante-Emma-Lädchens, das lange von Irma Pavan geführt wurde. Zwischen den Häusern, wo sich heute ein asphaltierter Fußweg befindet, floss früher offen der Lohwiesenbach, was oft zu Überschwemmungen führte, weiß Walter Winkler.

An der Backnanger Straße fällt der Blick auf die 1681 erbaute Kirche. Der Tourenführer kann sich noch gut an den Kirchbrunnen erinnern, an dem das Vieh getränkt wurde und auch die Menschen ihren Durst löschen konnten, wenn sie von der schweren Feldarbeit kamen. Nebenan gab es einen kleinen Teich, der vom Lohwiesenbach gespeist und „Trinkenbach“ genannt wurde. Er diente ebenfalls als Viehtränke, wurde allerdings 1958 zugemacht. Entlang der Stiftwaldstraße, die im Volksmund Froschbiegel genannt wurde, floss auch ein schmales Rinnsal, und kleine Brückchen führten zu den Häusern.

Allmersbach ist durchzogen von kleinen „Gässle, Gängle und Wegle“, so Walter Winkler. Diese oft schmalen Verbindungswege waren sehr wichtig für die dörfliche Bevölkerung, da sie den kürzesten Weg von den Wohnhäusern zu den Äckern bildeten. Oft führten sie über Privatgrundstücke, aber der Durchgang war geduldet. Ein solcher Weg führte etwa am Milchhäusle entlang direkt zum Friedhof. Die Milchsammelstelle war abends ein beliebter Jugendtreffpunkt, erinnert sich der Gässleführer. Sonst gab es im Dorf nicht viel für die Jugend zu tun. Wenn man abends zum Milchholen geschickt wurde, verband man dies gerne mit einem Treffen mit Gleichaltrigen. So manches Mal habe man beim Abendbrot die Milch noch schnell ausgetrunken, um neue holen zu dürfen, blickt der Allmersbacher zurück.

Der älteste Keller der Gemeinde datiert von 1599.

 

Viele dieser schmalen Wege sind heute noch als Eigentum der Gemeinde erhalten. Entlang von Gärten und dem Lohwiesenbach führt ein solcher Fußweg zum Friedhof. Bei diesem Abstecher erinnert sich Winkler, dass früher der Trauerzug von den Wohnhäusern der Verstorbenen bis hierhin führte, wobei der Sarg meist von Nachbarn getragen wurde. Von jedem Haushalt in Allmersbach musste mindestens eine Person an der Beerdigung teilnehmen.

Die Tour führt über die Friedhofstraße zur ehemaligen Gaststätte Ochsen, die 1819 erbaut wurde. Auf einem Fußweg kommt die Gruppe entlang einer Reihe alter Keller, von denen der älteste von 1599 stammt. Der Weg führt zum alten Backhäusle, das renoviert wurde und heute noch in Betrieb genommen wird. Ein schmaler Pfad zwischen privaten Gärten führt von hier aus bis zur Heininger Straße, die früher als „Lombagass“ bezeichnet wurde. Der Name geht wohl darauf zurück, dass hier Weber ansässig waren. Überquert man wieder die Backnanger Straße, gibt es einen Fußweg mit einer alten Bogenbrücke zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Am Spielplatz beim Rathaus endet die zweistündige Gässlestour durch Allmersbach und um den alten Ortskern herum.

 

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